Private Hühnerhaltung - Was dir keiner über Hühner sagt

Hühnerhaltung
Hühnerhaltung im eigenen Garten - Nutztiere oder Haustiere frage ich mich manchmal

Hühner machen glücklich! Die private Hühnerhaltung im eigenen Garten boomt. Die Aspekte des Tierwohls und der Selbstversorgung mit leckeren, frischen Eiern überschattet manchmal die Pflichten und die Verantwortung, die bei der Hühnerhaltung auf einen zukommt. In diesem Artikel nenne ich zu beachtende Punkte, die jede/r Hühnerinteressierte bestenfalls VOR dem Hühnerkauf beachten sollte.

Vorab

Ich kann nicht mehr genau sagen, wann in mir der Gedanke wuchs, eigene Hühner im Garten halten zu wollen.

Ich beschäftigte mich schon länger mit dem Gedanken aus verschiedenen Gründen, wie z.B. das Tierwohl selbst in der Hand zu haben und genau zu wissen, wo das Ei oder das Fleisch herkommt und einfach eine tolle kleine Kreislaufwirtschaft im Gemüsegarten zu haben.

Hühner sind toll, keine Frage. Je mehr ich mich mit dem Thema Hühnerhaltung beschäftigte umso überzeugter war ich davon.

Meine 3 Junghennen der Rasse Barnevelder sind nun seit ca. 8 Wochen bei mir.

Als ich sie vom Züchter kaufte, waren sie ca. 20 Wochen alt und standen wenige Wochen davor, die allerersten Eier zu legen. Für die Rassezucht waren sie aufgrund optischer Merkmale, die einen Mangel darstellen, nicht geeignet, daher hat wurden sie verkauft.

Rechte und Pflichten

Hühner benötigen einen sicheren Schlafplatz. Ein Stall ist relativ einfach selbst gebaut. Einige Punkte, wie einfach zu erreichende Legenester, einfache Reinigung, Parasitenprävention, Belüftung, Licht und Strom werden in guter Stallbauliteratur* behandelt.

Hier am besten vor dem Stallbau bei der Gemeinde erkunden, ob ein kleiner Stall einfach so gebaut werden darf. Es kann Beschränkungen geben, gerade bei den Abständen zu Nachbargrundstücken, etc.

Die Frage, ob Hühner überhaupt im eigenen Garten gehalten werden dürfen sollte ebenfalls bei der Gemeinde geklärt werden. Bei einer negativen Antwort, könnt ihr euch an den örtlichen Geflügelzuchtverein wenden, denn es könnte sich um eine falsche Auskunft seitens der Gemeinde gehalten haben.

Hier spreche ich aus eigner Erfahrung. Der freundliche Mitarbeiter damals am Telefon sagte zu mir, dass 5 Hennen ohne Hahn „ortsüblich“ wären. Für mich kein Problem. Als ich dies beim Geflügelzuchtverein erzählte, hieß es, dass diese Aussage falsch sei und ich natürlich einen Hahn sowie weitere Hennen halten dürfte.

Der Platz im Stall und die Größe des Auslaufs ist in der privaten Hühnerhaltung eigentlich kein großes Problem, da es oftmals um wenige Tiere geht und ein eigener Garten vorhanden ist. Selbst in der Biohaltung wird dem einzelnen Huhn nicht viel Platz zugesprochen, zumindest im Stall, der Auslauf sollte größer bemessen sein. Hier gerne nochmal in die Fachliteratur schauen und die Standards gerne übertreffen.

Die Hühnerhaltung muss danach noch beim Veterinäramt angemeldet werden. Wer seine Hühner „schwarz“ hält, handelt fahrlässig und nicht im Sinne des Gemeinwohls!

Alle Nutztierhalter:innen zahlen in die Tierseuchenkasse. Fun Fact: es gibt einen Mindestbeitrag. Mit meinen 3 Junghennen bezahle ich so viel, als hätte ich Tausende Hühner.

Die Meldung beim Veterinäramt ist außerdem sehr wichtig, da im Falle einer Tierseuche, Sperrbezirke eingerichtet werden und Informationen verteilt werden. Ist ein nicht gemeldeter Betrieb der Auslöser der Seuche, wird lange und vielleicht sogar vergeblich versucht, die Seuche einzudämmen.

Die Kosten für die Anmeldung der Hühner beim Veterinäramt und der Beitrag für die Tierseuchenkasse ist wirklich gering und in meinen Augen jeden Cent wert.

Zeitlicher Aufwand

An Pflege und zeitlichem Aufwand benötigen Hühner nicht viel Zeit und machen keine große Arbeit.

Morgens bin ich ungefähr für 5-10 Minuten bei den Hühnern, lasse sie raus, schaue nach Eiern, gebe frisches Wasser, entferne die nächtlichen Kothaufen und streue Körnerfutter in den Auslauf oder gebe frischer Grünfutter.

Gerne bleibe ich dabei noch etwas vor ihrer Voliere stehen und schaue, ob alle Hennen einen gesunden und fitten Eindruck machen.

Dieser Aufwand kann noch reduziert werden durch z.B. eine Futterstation* und eine automatische Hühnerklappe*

Essenziell ist jedoch die Kontrolle nach dem Gesamteindruck der Tiere und das frische Wasser.

Am Abend, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, lasse ich zuerst die Hühner in den großen Auslauf, fülle nochmal frisches Wasser auf und gebe ihnen nochmal einen Leckerbissen.

Nachdem ich selber zu Abend gegessen habe, beschäftige ich danach noch mit den Hühnern. Da meine 3 Junghennen anfangs sehr scheu waren, so gut wie nichts kannten und Angst vor mir hatten und kein Futter aus den Händen genommen haben, bin ich noch dabei sie an mich zu gewöhnen.

Nach einsetzen der Dämmerung laufen die Hühner selbstständig in ihren Stall und ich verschließe die Klappe oder je nach Modell s verschließt sie per Dämmerungssensor oder Zeitschaltung eigenständig.

Tierwohl

Zum Tierwohl gehört es, sich mit Krankheiten und dem Vermeiden von leidenden Tieren auseinander zu setzen. Anfangs habe ich auf jede Bewegung meiner Junghennen geachtet, ist der Kamm blasser als sonst, wie sieht der Kot aus…? Und die Symptome gegoogelt.

Verweisen möchte ich hier auf die Seite von Dr. Eva-Maria Casteel. Sie ist Tierärztin, die sich den Hühnern angenommen hat und von mir im Podcast von Judith Rakers entdeckt wurde. Wusstest du, dass Judith Rakers nicht nur Tagesschausprecherin, sondern begeisterte Homefarmerin und Hühnerhalterin ist?

Aber zurück zum Tierwohl. Hühner können krank werden und in ihrer Krankheit so weit leiden, dass dem Leid ein Ende gesetzt werden muss.

Denn laut Tierschutzgesetz, darf man kein Tier unnötig leiden lassen. Hier sollte man sich vor Anschaffung von Hühner also Gedanken machen, was im Falle des Falls zu tun ist oder wer helfen kann.

Was ich in der Fachliteratur* für private Hühnerhalter:innen vermisse, ist der Hinweis auf die in Deutschland bestehende Impfpflicht. Hühnerhalter:innen sind dazu verpflichtet regelmäßig gegen ND (Newcastle Desease) oder Newcastle Krankheit zu impfen und die Impfung zu dokumentieren (Aufbewahrungspflicht!) .

Es gibt noch weitere Krankheiten, gegen die geimpft werden kann oder sollte, die ND-Impfung ist aber Pflicht!

Per Spritze beim Tierarzt hält die Impfung 1 Jahr, einfacher und praxistauglicher ist die Impfung über das Trinkwasser alle 6 Wochen. Geflügelvereine organisieren den Impfstoff und geben meistens an private Hühnerhalter:innen kleinstmengen aus.

Alleine schon aus diesem Grund würde ich empfehlen, in einen Geflügelzuchtverein einzutreten.

Wesen

Ich bin von meinen Junghennen begeistert und merke erst jetzt, wie wenig ich über das Wesen der Tiere im Allgemeinen überhaupt wusste.

Hühner kommunizieren, nicht nur untereinander, sondern auch mit Menschen, sie sind neugierig, haben verschiedene Charaktere und lieben es, Platz zu haben und an der frischen Luft zu sein. Jeden Tag, wenn ich sehe, wie sie ihren Auslauf stürmen, bemitleide ich die Hühnermassen in geschlossenen Ställen.

Bitte kauft aus diesem Grund niemals Eier aus Bodenhaltung! Bioeier sind IMMER vorzuziehen und der Preisunterschied ist für so viel mehr Lebensqualität äußerst gering.

Mein 3 Junghennen bilden eine entspannte Gruppe.

Hennen ohne Hahn finden unter sich einen Hahnersatz. Ihre Rolle ist der Schutz der Gruppe. Um ihre Position zu unterstreichen wird die kleinste Henne, die noch keinen Kamm besitzt und daher von den beiden älteren gar nicht ernst genommen wird, auch mal beiseite gedrängelt.

Beim Fressen z.B. aus meiner Hand hat sie in zweiter Reihe zu stehen und zu warten. Die Hackordnung wird wohl mal getestet und ich denke, dass die jüngste eines Tages die Chefin meiner kleinen Hühnerschar werden wird, aber böse gehackt wird unter meinen Hennen nie.

Viele Eigenschaften liegen in der Hühnerrasse, darüber hinaus hat jedes Huhn noch einen eigenen Charakter.

Es macht mich unglaublich glücklich für meine Hennen zu sorgen, sie zu beobachten und mit ihnen zu interagieren. Ich hätte niemals gedacht, dass Hühner so menschenbezogen sein können, wenn man ihnen die Chance gibt und sich mit ihnen beschäftigt. Sie sind praktische Helferinnen im Garten und sorgen für einen optimalen Kreislauf in meinem kleinen Gemüsegarten, in dem sie die Reste und Überbleibsel fressen und für guten Dünger sorgen und zusätzlich noch die leckersten Eier produzieren, die man sich vorstellen kann.

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