Eine außergewöhnliche Nacht im Tesla Model 3 in Finnland

Eine Nacht im Auto zu schlafen ist nirgends so bequem, wie in einem Elektroauto, welches genügend Kofferraumvolumen bietet. Das Tesla Model 3 ist das kleinste Modell von Tesla. Wie es möglich ist, nicht nur im Sommer, im Tesla zu schlafen, wie die Nacht war und wie ich einen traumhaften Stellplatz gefunden habe, erfährst du im folgendem Artikel.

Tesla
Eine Nacht im Tesla Model 3 in Finnland

Hintergrund

Elektroautos verfügen alle ausnahmslos über eine Standheizung, da sie keine Abwärme eines Verbrennungsmotors zum Heizen besitzen.

Wärme wird durch Energie produziert und es gilt, keine Energie zu verschwenden, denn das reduziert die Reichweite.

Ein Tesla gilt als fahrender Computer. Der reine E-Autohersteller Tesla, legt großen Wert auf die Software des Fahrzeugs.

Dabei ist Tesla stets nahe bei den KundInnen und reagiert auf Wünsche und Feedback. Da Teslas als fahrende Computer zu sehen sind, erhalten die Autos regelmäßige Software-Updates, wie ein Notebook, PC oder Smartphone.

Die ersten TeslabesitzerInnen kann man durchaus als technikaffin und lieb gemeint als Nerds bezeichnen. Die ersten Teslas, die Software, die Steuerung per App, wurden auf Herz und Nieren untersucht.

Da im E-Auto für eine durchgängige Klimatisierung des Innenraums kein Motor, wie bei einem Verbrennungsauto, laufen muss, verbreitete sich die Idee, im Tesla zu schlafen, bei laufender Klimatisierung schnell.

Dafür mussten einige Einstellungen im Menü des Autos vorgenommen werden. Tesla reagierte auf den Wunsch der KundInnen und implementierte per Software-Update einen Menübutton, den Camping Modus. Mit einem Klick auf den Button, waren alle zuvor nötigen Einstellungen, um im Auto zu schlafen, automatisch ausgewählt. Man wählt nur noch die gewünschte Innenraumtemperatur, verriegelt das Auto und kann schlafen.

Findige Firmen, sprangen auf den Camping Zug auf und entwickelten auf die Tesla Modelle S, 3, X und Y (wer erkennt das Wortspiel?) passende Matratzen und Sichtblenden für die Fensterscheiben.

Stellplatzwahl

In Finnland ist es aufgrund des Jedermannsrechtes erlaubt, im Auto zu schlafen. Soweit ich weiß, ist das Schlafen im Auto in Deutschland auf Parkplätzen verboten, nur ein „ruhen“ ist erlaubt. Hier gibt es weitere Info wie und wo das Übernachten im Auto erlaubt/verboten ist.

Einen geeigneten Stellplatz für die Nacht im Auto in Finnland, habe ich über die App „Park 4 Night“ gefunden. Hier gibt es verschiedene Filtermöglichkeiten und es sind eine Menge traumhafter Parkplätze durch Wohnmobilisten verzeichnet und beschrieben.

Unser Parkplatz lag an einem ehemaligen Fähranleger, ganz in der Nähe der Stadt Naantali. Ich habe mir einen abgelegenen und einsamen Platz mit Blick aufs Wasser vorgestellt und wurde nicht enttäuscht.

Der Stellplatz war traumhaft schön. Da wir von Turku aus eine kurze Anfahrt hatten, benötigten wir keine Extras bei unserem Stellplatz wie WCs, Dusche, etc. Wir wollten einfach einen schönen, ruhigen Ort für eine Nacht.

Es besteht natürlich immer das Risiko, dass man einen Stellplatz anfährt und dieser bereits belegt ist, besonders bei kleineren oder welchen, die für nur ein Wohnmobil ausgelegt sind. Wir hatten Glück und waren allein.

Das Setup

Ich habe mir nicht die teuerste Matratze für das Model 3 (Dreamcase*) gekauft sondern die günstigere Tesmat. Sie kommt einher mit einer praktischen Tasche, die passgenau im Kofferraumboden verstaut werden kann und einem Sichtschutz, der mit Karabinern und Saugnäpfen von innen an die Scheiben befestigt wird. Wir haben die hinteren Scheiben sowie die Heckscheibe tönen lassen und hätten bei diesem einsamen Stellplatz nicht unbedingt einen Sichtschutz gebraucht, ich war aber froh darum zu wissen, dass von außen niemand ins Innere gucken kann. Das große Panoramaglasdach ist Werksseitig von Tesla getönt und blieb die ganze Zeit frei. Decken und Kissen haben wir aus unserer Wohnung mitgenommen. In diesem Artikel erfährst du, wie ich in Finnland gewohnt habe und welche Einrichtung Finnlandtypisch ist.

Jeweils ein Matratzenbezug und ein Bettbezug war bei der Tesmat ebenfalls dabei. Ich kann die Tesmat für Menschen empfehlen, die gelegentlich im Tesla schlafen wollen, eine ähnlich Variante gibt es bei Amazon von Tescamp*, die ebenfalls ziemlich gute Bewertungen und ein gutes Preis-Leistungsverhältnis hat.

Vielschläfern würde ich da schon die Luxusmatratze „Dreamcase“ empfehlen. 

Darüber hinaus haben wir noch einen Rucksack gepackt mit Hygieneartikeln, Schlafsachsen und alles für einen Kaffee für den nächsten Morgen. Da die Rücksitze durch unsere Decken und Kissen belegt waren, kam der Rucksack in den praktischen vorderen Kofferraum, „Frunk“ genannt. Dies ist eine Wortkombination aus „Trunk“ also Kofferraum und „front“ also vorne bzw. vorderer und ergibt übersetzt „vorderer Kofferraum“. Tesla verbaut den oder die Motoren effizient an den Achsen der Fahrzeuge und schafft dadurch Platz für einen vorderen Kofferraum.

Die Nacht

Nachdem wir den Blick aufs Wasser genossen haben und den Sonnenuntergang beobachtet haben, wurde es Zeit ins Bett zu gehen, also im Tesla zu schlafen.

Der Innenraum wurde zur Schlafzone hergerichtet. Man fährt die vorderen Sitze weit, jedoch nicht ganz weit nach vorne und klappt die hinteren Sitze um. Die Tesmat mit ihrem Memoryschaum wird darauf auf die Fläche ausgebreitet und mit dem Bettlaken bezogen.

Das Model 3 von Tesla hat als einziges Modell von Tesla eine starre und schmale Ladeluke, die im Innenraum eine ausgezeichnete Ablage darstellt. Selbst 2 Leselampen sind am Dachhimmel vorhanden. Ich würde nicht empfehlen durch die Ladeluke ins Autoinnere zu krabbeln sondern über die seitlichen Türen einzusteigen.

Nun lag ich da. Mit zwei Erwachsenen Personen wird die Liegefläche schon gut ausgefüllt. Meine Füße liegen im Kofferraum, mein Oberkörper auf den zurück geklappten Rücksitzen. Über mir ziehen die Wolken vorbei und ich werde bei diesem Anblick einfach nicht müde sie zu beobachten.

Über die Smartphone App von Tesla stelle ich die gewünschte Temperatur ein und schließe das Fahrzeug ab. Durch den zuvor aktivierten Camping Modus sind die benötigten Einstellungen der Alarmanlage etc. voreingestellt.

Ein Zelt vor einem Lagerfeuer und zwei Campingstühlen erscheint ca. 10 Minuten lang auf dem großen Touchscreen im Tesla bevor das Display sich fast ganz verdunkelt und anzeigt, dass das Fahrzeug sich im Camping Modus befindet.

Die Stimmung ist gemütlich. Die Wärmepumpe und alle möglichen Lüftungen im Tesla rauschen und klappern oder gluckern, daran muss man sich erst mal gewöhnen.

Doch irgendwann rauscht mir die Lüftung zu laut und ich erinnere mich daran, den Tipp gelesen zu haben, die Lüftung manuell auf die erste Stufe zu stellen und den Automatikmodus der Klimatisierung abzustellen. Gleich viel besser!

Doch ich höre draußen noch weitere Geräusche, es ist ein mulmiges Gefühl. Liegt es daran, dass ich vor Jahrzehnten zuletzt draußen im Zelt übernachtet habe oder habe ich in letzter Zeit zu viele True Crime Podcasts (Weird Crimes- meine absolute Empfehlung!) gehört?

„Stell dir jetzt mal vor, wir würden in einem Zelt liegen..“ sage ich, als wir draußen weitere undefinierbare Geräusche hören. Im Kopf versuche ich mich zu beruhigen und meinen Puls runter zubringen.

Wir sind in einem Auto, es ist verriegelt, ich kann wegfahren, die Scheinwerfer anmachen, per App auf die 8 verbauten Kameras zugreifen, um zu gucken, was draußen los ist und per Boombox, also den Außenlautsprechern, nach draußen Sprechen, sogar mit Stimmenverzerrung. Was kann mir denn da schon passieren?

Nun ist es stockdunkel draußen und meine Angst ist komplett verschwunden, die Dunkelheit hat etwas sicheres an sich.

Ich bin ein Mensch, der im Schlaflabor bestimmt einige Rekorde brechen könnte, bei der Anzahl der Bewegungen im Schlaf. Alleine zum Einschlafen brauche ich es einfach, Platz zu haben, um mich von einer auf die andere Seite und den Bauch drehen zu können. Dies ist im Tesla mit zwei Erwachsenen Personen für mich kaum möglich und ich frage mich, wie hier Personen mit einer Körpergröße von über 1,70m Platz finden können.

Ich bemerke noch, dass es langsam wieder heller draußen wird, falle aber doch noch für wenige Stunden in den Schlaf.

Der nächste Morgen

„Ich habe es geschafft“ ist mein erster Gedanke als ich wach werde. Ich bin unglaublich stolz auf mich, dass ich die Angst und die Skepsis überstanden und überwunden habe und die Nacht im Tesla durchgezogen habe.

Für mich persönlich war es schon ein Nervenkitzel und ich bin glücklich darüber mal wieder aus meiner Komfortzone herausgekommen zu sein.

Ein Blick in die Tesla App verrät mir, dass das Fahrzeug um die 10% verbraucht hat also alles im Normalbereich.

Der Abbau der Matratze und des Sichtschutzes geht ganz schnell und innerhalb von Minuten ist alles verstaut.

Würde ich wieder im Tesla schlafen? Ja, absolut. Als coole Aktion mit z.B. mit einem Kind kann ich mir das auf jeden Fall vorstellen und für den Notfall mit zwei Erwachsenen auch.

Ich bin froh über diese Möglichkeit, die Tesla bietet und über die Erfahrung die ich gemacht habe. Ich habe für mich selber dadurch aber mal wieder festgestellt und mich selbst besser kennen gelernt: ich bin kein Outdoor-Mensch.

Ich bewundere die Menschen, die beispielsweise beim Bikepacking draußen ihr Zelt aufschlagen und darin schlafen können, ich möchte das persönlich eher nicht so. Aber auch das ist gut zu wissen.

Weitere Fotos gibt es wie immer bei Instagram, schaue dort gerne mal vorbei. 

Bis zum nächsten Mal

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